Wie Manufakturen finanzieren?

Viele Manu­fak­turen in Deutsch­land stellen sich die Frage, ob sie sich besser mit Eigen- oder mit Fremd­kap­ital finanzieren sollen. Jedoch lässt sich diese Frage nicht eindeutig beant­worten, da beide Finanzierungsmöglichkeiten Vor- und Nachteile haben und von der Finanzstruktur des Unternehmens abhängen.

Beson­ders rele­vant wird die Finanzierungsstruktur eines Unternehmens im Zuge von Kred­itver­gaben und Ratings, da u.a. die Eigenkap­i­talquote und der Verschul­dungs­grad als quan­ti­ta­tive Kenn­zahl in die Einstu­fung der Bonität einfließen. Banken bewerteten in Zuge des Ratings die Zukun­fts­fähigkeit des Unternehmens anhand von quan­ti­ta­tiven und qual­i­ta­tiven Faktoren. Bilanzkenn­zahlen, wie die Eigenkap­i­talquote, fließen als quan­ti­ta­tive Faktoren ein, während Mark­ten­twick­lungen, Kontoführung, Unternehmensführung etc. als qual­i­ta­tive Krite­rien auf die Rating­note einwirken.

Im Durch­schnitt weisen deutsche mittel­ständische Manu­fak­turen eine Eigenkap­i­talquote von 28.6 % auf. Dieser Wert liegt knapp unter der generellen Annahme, dass deutsche Unternehmen sich mit knapp 1/3 eigen- und mit 2/3 fremd­fi­nanzieren. Im Zuge von Investi­tions­fi­nanzierungen werden ca. 52% Eigenkap­ital, 30% Bankkredite, 12% Förder­mittel und 6% Sonstige (Beteili­gungs- und Mezza­nine-Kapital) verwendet.

Eigen- und Fremd­kap­ital

Die Tatsache, dass der Anteil des Eigenkap­i­tals bei rund 1/3 liegt, jedoch ca. 52% der Investi­tion­ssumme durch Eigen­mittel gestemmt werden, wirft die Frage auf, ob es sich bei Eigenkap­ital und die günstigere Finanzierungsart handelt oder ob es zunehmend schwere geworden ist Bankkredite zu bekommen.

Im Jahr 2018 fiel der Anteil erfol­gre­iche Kred­itver­hand­lung um 10 Prozent­punkte auf 57%. Dies deutet an, dass Banken eventuell restrik­tiver bei der Vergabe von Kred­iten wurden und folglich weniger Unternehmen Kredite gewähren. Verhand­lung zwis­chen Unternehmen und Banken beruhen teils auf Rating­noten und damit auch auf Kenn­zahlen wie der Eigenkap­i­talquote. Fällt diese beispiel­sweise zu gering aus, verwehren Banken teil­weise Kredite aufgrund eines zu hohen Ausfall­risikos oder verlangen einen höheren Kred­itzins. Für Unternehmer stellt sich daher die Frage: Leverage-Effekte ausnutzen oder Rating opti­mieren?

Diagramm: Gewich­tung der Finanzierungsan­teile

Der Leverage-Effekt beze­ichnet die Möglichkeit, dass die Eigenkap­i­tal­rentabil­ität steigt, wenn anstelle von Eigenkap­ital vermehrt Fremd­kap­ital einge­setzt wird. Gleichzeitig hat die Reduk­tion des Eigenkap­i­tals bei gleich­bleibendem Fremd­kap­ital eine gerin­gere Eigenkap­i­talquote und eine höhere Fremd­kap­i­talquote zur Folge. Eine höhere Fremd­kap­i­talquote kann einen schw­er­wiegenden Einfluss auf die Rating­note und damit auf den Kred­itzins haben, da Banken unter anderem die Finanzstruktur eines Unternehmens berück­sichtigen.

Somit gilt es für Unternehmer abzuwägen, ob die Verbesserung der Eigenkap­i­tal­rentabil­ität oder die Erhöhung der Zinsen für Fremd­kap­ital schw­erer wiegt. Da in den meisten Unternehmen der fremd­fi­nanzierte Anteil des Kapi­tals größer als der eigen­fi­nanzierte Anteil ist, liegt es im Inter­esse des Unternehmers, bei zunehmender Fremd­fi­nanzierung den Kred­itzins möglichst gering zu halten. Die ist durch eine verbesserte Eigenkap­i­talquote möglich.

Der posi­tive Effekt einer hohen Eigenkap­i­talquote auf die Rating­note, lässt sich durch mehrere direkte und indi­rekt Maßnahmen zur Erhöhung der Eigenkap­i­talquote und damit der Opti­mierung des Ratings erzeugen.

Die Reduk­tion der Bilanz­summe, durch etwa den Abbau von Beständen oder den Einsatz von Factoring, bei unverän­dertem Eigenkap­ital, verbessert die Eigenkap­i­talquote indi­rekt. Zu beachten ist jedoch, dass diese Maßnahmen wirtschaftlich sinnvoll sein sollten und nicht auss­chließlich den Zweck verfolgen sollten, die Eigenkap­i­talquote zu manip­ulieren.

Graph: Gewich­tung der Finanzierungsan­teile

Direkte Maßnahmen zur Stärkung der Eigenkap­i­talquote umfassen Gewin­nthe­saurierung, ein Entnahme- und Auss­chüt­tungsstopp, weitere Kapi­talein­lagen der Gesellschafter, sowie differen­zierte Beteili­gungssys­teme. Festzuhalten bleibt, dass der Unternehmer genauestens abwägen sollte, ob für ihn eine Opti­mierung der Rating­note oder der Eigenkap­i­tal­rentabil­ität von Vorteil ist.

Der Meis­terrat hat seit März 2019 einen Arbeit­skreis aufge­baut, der die Opti­mierung von Finanzierungsstruk­turen speziell für Manu­fak­turen aufar­beitet, um daraus Maßnahmen für verschiedene Manu­fak­turen­cluster zusam­men­z­u­fassen.

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