Liquiditätskrisen meistern

Maßnahmen gegen finanzielle Krisen

Das Geschäft von Manu­fak­turen, Desi­gnern und Kunst­hand­wer­kern ist in den seltensten Fällen ein Selbst­läufer. Wenige unter­neh­me­ri­sche Entwick­lungen verlaufen gerad­linig nach oben. Hohe Perso­nal­kosten, schwie­rige Vertriebs­wege, Anlauf­kosten: Nicht selten stehen Manu­fak­turen vor der Situa­tion, Liqui­di­täts­eng­pässe über­brü­cken zu müssen.

Ursachen für Liquiditätsengpässe

Die Ursa­chen für Liqui­di­täts­eng­pässe in kleinen und mittel­stän­di­schen Manu­fak­turen sind äußerst viel­fältig: Umsatz­ein­bruch, schlechte Zahlungs­moral wich­tiger Kunden, anhal­tende opera­tive Verluste oder aber auch zu schnelles Unter­neh­mens­wachstum und sog. Wachs­tums­schwellen können die Unter­neh­mens­li­qui­dität belasten.

In einer solchen Situa­tion ist es wichtig, schnell und über­legt zu handeln. Dazu sollten zunächst alle Möglich­keiten zur Deckung des Engpasses durch­ge­spielt werden, damit Sie sich dann für die geeig­netsten entscheiden können. Zudem sollte ein Liqui­di­täts­plan erstellt werden. Auf dessen Grund­lage können dann gemeinsam mit den betrof­fenen Liefe­ranten, Banken und anderen Gläu­bi­gern notwen­dige Maßnahmen ergriffen werden.

Für viele Unter­nehmen besteht auch ohne die Aufnahme von frischem Kapital von außen die Möglich­keit, die Liqui­di­täts­si­tua­tion durch Frei­set­zung bisher im Unter­nehmen gebun­dener Liqui­dität merk­lich zu verbes­sern. Nach­fol­gend will der Meis­terrat einige wich­tige Maßnahmen aufzeigen, die leicht zur Frei­set­zung zusätz­li­cher Liqui­dität heran­ge­zogen werden können. Dazu unter­scheiden wir zwischen kurz­fristig, mittel­fristig und lang­fristig wirk­samen Maßnahmen.

Kurzfristig: Ausgaben verzögern und Einnahmen beschleunigen

Kurz­fristig gilt es Ausgaben zu verzö­gern und Einnahmen zu beschleu­nigen, dazu geeignet sind insbe­son­dere folgende Maßnahmen:

  • kurz­fris­tige Reduk­tion der Privat­ent­nahmen auf das absolut notwen­dige Maß
  • Zeit­nahe und konse­quente Abrech­nung von teil­fer­tigen Leis­tungen
  • Schluss­rech­nungen umge­hend nach Leis­tungs­er­brin­gung erstellen
  • Regel­mä­ßige Über­prü­fung gewährter Zahlungs­ziele
  • Konti­nu­ier­liche Über­wa­chung des Kunden­zah­lungs­ver­hal­tens
  • Ablö­sung von Siche­rungs­ein­be­halten durch Gewähr­leis­tungs­bürg­schaften
  • Verjäh­rungs­fristen von Forde­rungen im Auge behalten
  • Verein­ba­rung von Anzah­lungen, Abschlags­zah­lungen oder Barzah­lungen mit Kunden
  • Mängel aus Kunden­sicht schnell besei­tigen, damit die Zahlung nicht verzö­gert werden kann
  • Zahlungs­an­reiz durch das Angebot von Skonti
  • Konse­quentes Mahn­wesen gegen­über säumigen Kunden
  • Andro­hung von Verzugs­zinsen und Beauf­tra­gung von Inkas­so­büros
  • Verhand­lung über lang­fris­ti­gere Zahlungs­ziele mit Lieferanten/Subunternehmern
  • Kurz­fris­tige Tilgungs­aus­set­zung mit der Bank verhan­deln
  • Umschul­dung auf länger­fris­tige Darlehen zur Absen­kung der Tilgungs­leis­tung

Mittel- und Langfristig: Unternehmen neu ausrichten und den Ertrag steigern

Sobald die kurz­fris­tige Liqui­di­täts­krise über­wunden ist, sollten Sie sich intensiv mit den Ursa­chen der Krise ausein­an­der­setzen. Oft liegt die Ursache in einer vorlie­genden Erfolgs- bzw. Ertrags­krise als Ergebnis einer Stra­te­gie­krise. Wenn es Ihnen nicht gelingt, diese zu über­winden, werden Sie sehr schnell in den nächsten Liqui­di­täts­eng­pass rutschen. Dauer­haften Erfolg können Sie nur errei­chen, wenn Sie die Stra­te­gie­krise in den Griff bekommen.

  • Geeig­nete Maßnahmen, die mittel- und lang­fristig posi­tive Wirkung entfalten, sind insbe­son­dere:
  • Über­prü­fung Ihrer Ange­bots­pa­lette: Verlust­bringer strei­chen und den Schwer­punkt auf Produkte mit hoher Rendite und inter­es­santer Markt­ni­sche legen
  • Höherer Preise durch­setzen, indem Sie ihren Produkten Zusatznutzen/Exklusivität verleihen
  • Erschlie­ßung neuer, zukunfts­ori­en­tierter Märkte
  • Grund­lage schaffen für eine schnelle Faktu­rie­rung (Ange­bots­daten so aufbe­reiten, dass sie sofort in die Rech­nungstel­lung einfließen können)
  • Konse­quentes Kosten­ma­nage­ment und Produk­ti­vi­täts­stei­ge­rung
  • Bessere Auslas­tung durch aktiven Verkauf ihrer Produkte
  • Verkauf von nicht (mehr) unbe­dingt benö­tigtem Anla­ge­ver­mögen (Maschinen, Fahr­zeuge, Wert­pa­piere, Immo­bi­lien usw.
  • Abbau des Umlauf­ver­mö­gens auf das betriebs­wirt­schaft­lich notwen­dige Maß
  • Sale-and-lease-back von gebrauchten Anlagen und Maschinen
  • Vermie­tung nicht ausge­las­teter Anlagen
  • Fremd­ver­mie­tung von nicht ausge­las­tetem Immo­bi­li­en­be­stand
  • Zusätz­liche Sicher­heiten zur Erhö­hung des Kredit­rah­mens
  • Sorg­fäl­tige Inves­ti­ti­ons­pla­nung als Grund­stein für solide Finan­zie­rung
  • Prüfen Sie inwie­weit bestehende Darle­hens- und Gesell­schaf­ter­ver­träge ausrei­chenden Schutz gegen eine vorzei­tige Auszah­lung bzw. Kündi­gung enthalten

Die aufge­zeigten Maßnahmen stellen nur einen Ausschnitt des denk­baren Instru­men­ta­riums dar und sollten immer auf die indi­vi­du­elle Situa­tion des Unter­neh­mens ange­passt werden.

Aktueller Termin
Workshop Finanzierung
11.9.2019
Direktorenhaus, Berlin
Mehr Informationen
Ansprechpartner bei Meisterrat:
Dr. Boris Karcher
karcher@meisterrat.de