Die Deutsche Manufakturenstraße

Faber-Castell

Die Deutschen Manufakturenstraße wurde 2017 ins Leben gerufen, um die kulturelle Vielfalt der handwerklichen Produktion in Deutschland aufzuzeigen.

Dass die Arbeit der klassischen Manufakturen in weiten Teilen zu unserem Kulturerbe gehört – wie z.B. die „Erfindung“ des europäischen Porzellans in Meißen – wer wollte das bezweifeln. Aber genau deshalb ist es verwunderlich, dass zwar „Posaunenchöre“, das Hebammenwesen oder das „Skatspielen“ von der Deutschen UNESCO-Kommission im bundesweiten Verzeichnis der Traditionen, Bräuche und Kulturstätten aufgenommen wurden, aber bislang kaum Handwerkskünste von Manufakturen. In den 68 Positionen der nationalen Liste befinden sich gerade einmal zwei Fundstellen, die auf Manufakturen verweisen: der in der Oberlausitz praktizierte Blaudruck sowie, erst seit letztem Jahr, die Porzellanmalerei. Die Porzellanmalerei ist in Deutschland eine jahrhundertealte Handwerkskunst.

Frank Leder, Lookbook, ‚Walz‘

Die Weitergabe und Erhaltung des komplexen Wissens erfolgt noch an vereinzelten Standorten. Im 18. Jahrhundert wurden drei der wichtigsten Manufakturen Deutschlands gegründet, die bis heute aktiv sind: Die Porzellanmanufaktur in Meißen, die Porzellanmanufaktur des Bayerischen Königshauses in Nymphenburg und die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM). Diese Traditionslinien, bei denen eine spezifische Handwerkstechnik regional verwurzelt ist, seit langem gepflegt und bis heute weiterentwickelt wird, findet sich auch anderenorts. Das Wissen von Manufakturen gilt es zu schützen und zu „leben“; aus diesem Grund sammelt die Deutsche Manufakturenstraße aus dem Kreis des Netzwerkes derzeit Praxisbeispiele von potentiell schützenswerten Handwerkskünsten, um den Beitrag der Manufakturen für unser immaterielles Kulturerbe stärker bei der UNESCO zu vertreten.

Vickermann & Stoya, Maßarbeit an Schuhen

Manufakturenstraße als lebendes Archiv

Die Deutsche Manufakturenstraße ist eine fast 2500 km lange Erlebnisstraße, die an vier Routen entlang zu den wichtigsten Manufakturen Deutschlands führt. Die Routen erstrecken sich von der Ostsee bis zum Bodensee und berühren dabei alle 16 Bundesländer. Solche Manufakturen, ihr Wirken und ihre Rolle in der Region sind in Deutschland bislang zu wenig beachtet worden. Dabei sind die Dinge, die uns umgeben, von Bedeutung. Gerade heute in der digitalen Ära nehmen wir die uns umgebende gegenständliche Umwelt – das Haus, den Tisch, die Blumenvase – noch bewusster wahr. Wir stellen fest, wie sehr Gegenstände unsere Lebensqualität prägen. Wir leiden heute nicht an einem Mangel, sondern an einem Zuviel. Insofern ist die Auswahl dessen, was uns umgibt, konstituierend. Als Gegenmodell zur uniformen, vor allem effizienten Herstellungsweise der industriellen Massenproduktion produzieren Manufakturen nicht für die Wegwerfgesellschaft, sondern für „die kleine Charge“. Besondere Produkte von außergewöhnlicher Qualität. Sorgfältiges Handwerk, das schwer kopierbar ist und kaum auf vergleichbarem Niveau in großen Serien hergestellt werden kann. Diese hochwertigen Produkte sind nicht Luxus im Sinne verschwenderischer Opulenz. Sie sind vielmehr in ihrer Wertigkeit und Schönheit als natürliche Alternative zur Massenproduktion zu begreifen. Sie bereichern unser Leben, in dem ihr Nutzen über die unmittelbare Gebrauchsfunktion hinausgeht.

Die Produkte von Manufakturen sind durch menschliches Wissen und Können entstanden, sind Ausdruck von Erfindergeist und traditionellem Handwerk. Sie vermitteln Identität. Das Wissen der Manufakturproduktion wird von Generation zu Generation weitergegeben und fortwährend neu gestaltet. Damit die in Deutschland vorhandenen kulturellen Ausdrucksformen des Manufakturwesens erhalten bleiben, ist die Deutsche Manufakturenstraße ins Leben gerufen worden.

André von Martens

Die Deutsche Manufakturenstraße zeigt das deutsche Handwerk als einen der wichtigsten Bestandteile des kulturellen Erbes in Deutschland. Das Land besitzt zahlreiche herausragende Manufakturen, die auf höchstem Niveau produzieren. Der Grund dafür liegt in der historischen Tradition des deutschen Handwerks. Die Ausbildung vom Lehrling über den Gesellen bis zum Meister ist in der Welt einzigartig, sodass ein breiter Zugang zum überlieferten Wissen und eine große Tiefenschärfe erreicht werden, die das Handwerk zu einem der innovativsten Wirtschaftsbereiche des Landes machen. Die Deutsche Manufakturenstraße setzt sich dafür ein, dass die Manufakturen in Deutschland als Träger von wichtigen immateriellen Kulturgütern als solche erkannt, geschützt und gefördert werden. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine technisch wie ästhetisch hochwertige Qualitätsproduktion zu pflegen und lebendig zu halten. Durch Veranstaltungen, Initiativen und Projekte wie die „Arche der Dinge“ – ein Archiv von Produkten und Produktionsweisen, die vom Verschwinden bedroht sind – arbeitet die Deutsche Manufakturenstraße an der Erhaltung des kulturellen Erbes der Manufakturen. Sie fördert außerdem eine verantwortliche Produktion im Sinne einer ökologischen, ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeit, bei der das traditionelle Handwerk und die Möglichkeiten der Gegenwart und Zukunft vereinbart werden.

Kunstgießerei Lauchhammer

Die Deutsche Manufakturenstraße ist eine Initiative, die sich dafür einsetzt, dass die Manufakturen in Deutschland als Träger von wichtigen immateriellen Kulturgütern als solche erkannt, geschützt und gefördert werden. Zu diesen immateriellen Kulturgütern zählen menschliches Wissen und Können, Erfindergeist und traditionelles Handwerk. Diese sind oft regional geprägt und verwurzelt und werden von Generation zu Generation weitergegeben und weiterentwickelt. Sie sind somit identitätsstiftend.

Lookbook Look, Frank Leder

In der heutigen Zeit der industriellen Massenproduktionen und der stetigen auch digitalen Weiterentwicklungen wirken traditionelle Handwerksbetriebe und Manufakturen wie Dinosaurier: überholt, nicht zeitgemäß und vom Aussterben bedroht. Gleichzeitig gibt es eine Sehnsucht nach qualitativ hochwertigen Produkten, die regional und unter ökonomisch, ökologisch und sozial fairen Bedingungen hergestellt werden.  Die Deutsche Manufakturenstraße nutzt diesen Trend, um sich für die Manufakturen einzusetzen. Durch ein touristisches Angebot, Veranstaltungen und Publikationen unterstützt sie ausgesuchte deutsche Manufakturbetriebe und macht sie einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich.

Weingut Mueller-Catoir

Gleichzeitig ist die Deutsche Manufakturenstraße eine Interessensgemeinschaft und sorgt für eine größere Vernetzung der Manufakturen untereinander. Sie erforscht die Bedürfnisse ihrer Mitglieder und vertritt sie gegenüber Politik und Öffentlichkeit.

Webseite
www.deutsche-manufakturenstrasse.de