Radical Craft

Glasobjekt von Philipp Weber

Das Direk­to­ren­haus mit seinen Ausstel­lungs­räumen und Werk­stätten gilt als Tran­sit­zone für Kunst­hand­werker, Desi­gner und Manu­fak­turen. Hier wird „Craft­manship“, das hand­werk­liche Können, weiter gedacht. Die Projekte des Direk­to­ren­hauses pendeln zwischen gestal­te­ri­schen Expe­ri­menten, neuen Mate­ria­lien, sozialen Zukunfts­ent­würfen und Design­kunst.

  • Klemens Grund, D7

Die Jahres­aus­stel­lung des Direk­to­ren­hauses, „Radical Craft“, stellt 73 Gestalter und Kunst­hand­werker vor, die zeigen, welche Bedeu­tung dem Kunst­hand­werk heute in gesell­schaft­li­chen Zukunfts­ent­würfen zukommt. In der moder­ni­sierten Waren­welt gibt es ja der Tendenz des Markt­ver­laufs nach keine stati­schen Güter mehr, sondern nur noch Besse­rungen – keine stabilen Quali­täten, sondern nur Über­bie­tungs- und Stei­ge­rungs­waren. Die Ausstel­lung „Radical Craft“ zeigt, wiezeit­ge­nös­si­sches Produkt­de­sign dieser Spirale entkommt, indem es sich auf seine Ursprünge bezieht: aufdie expe­ri­men­tellen Vorläufer in der konzep­tio­nellen Kunst und im radi­kalen Kunst­hand­werk. Diese Ansätze des Kriti­schen­zeigen auf, wie wichtig dieQua­lität der Produkte, die wir jeden Tag nutzen, ist: sie stellt eine notwen­dige Bedin­gung für eine umfas­sende wirt­schaft­liche Wende dar, die letzt­lich eine kultu­relle ist. Die Art und Weise wie wir Dinge produ­zieren und gleich­zeitig konsu­mieren ist der Schlüssel zu einem tech­no­lo­gi­schen, ökonomi­schen und gesell­schaft­li­chen Wandel.Angestoßen und voran­ge­trieben wird die Dynamik der Verän­de­rung von Desi­gnern, Kunst­hand­wer­kern und Manu­fak­turen. Viele von ihnen arbeiten bereits heute nach­haltig und anti­zi­pieren die Zukunft.

Das Direk­to­ren­haus zeigt in seiner Jahres­aus­stel­lung, dass eine grund­sätz­liche Tren­nung zwischen den Desi­gnern und Kunst­hand­wer­kern kaum exis­tiert: Für die grie­chi­sche Antike umfasste der Begriff der techné sowohl das hand­werk­liche Können wie auch die tech­ni­sche Findig­keit, meinte also ein Problem­lö­sungs­ver­halten, das wir heute als Design begreifen. Der Unter­schied zwischen Design und Hand­werk liegt in der Denk­weise, zwischen dem konser­va­tiven und dem inno­va­to­ri­schen Menschen­typus. Beide, Desi­gner und Hand­werker, greifen in die Debatte um die Konsum und Wohl­stands­wende gestal­te­risch ein – mit den Mitteln sinn­lich erleb­barer Produkte, deren Wert mit der Zeit nicht abnimmt, sondern der sich, aus ihrer eigenen Tiefe heraus, mit jedem Jahr stei­gert.

Die Ausstellung ist kuratiert von
Pascal Johanssen.
Laufzeit:
Freitag 24. Mai 2019 –
Sonntag 5. April 2020
Di – Fr 11 – 18 Uhr
www.direktorenhaus.com
Anmeldung zur Vernissage am 24. Mai via suss@direktorenhaus.com